1.094 Einsätze gegen gefährliche Kriegsrelikte
80 Jahre nach Ende des letzten Krieges in Österreich ist der Entminungsdienst noch immer unentbehrlich
Im Jahr 2025 hat der Entminungsdienst des Österreichisches Bundesheer österreichweit zahlreiche Funde von Kriegsmaterial bearbeitet. Laut veröffentlichter Jahresbilanz wurden insgesamt 1.094 Meldungen registriert. Dabei konnten 29.922 Kilogramm Kriegsmaterial fachgerecht geborgen und unschädlich gemacht werden.
Historische Altlasten wirken bis heute nach
Ein Großteil der geborgenen Kampfmittel stammt aus dem Zweiten Weltkrieg sowie aus der unmittelbaren Nachkriegszeit. Während der massiven Luftangriffe auf österreichische Städte wurden tausende Tonnen Bomben abgeworfen, von denen ein Teil nicht detonierte. Auch Munitionslager, militärische Infrastruktur und Kampfhandlungen hinterließen Rückstände.
Obwohl seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mehr als 80 Jahre vergangen sind, kommen bei Bauarbeiten, Infrastrukturprojekten, landwirtschaftlicher Nutzung oder nach Naturereignissen wie Hochwasser weiterhin explosive Altlasten zum Vorschein. In vielen Regionen liegen Blindgänger noch immer in größerer Tiefe im Boden oder in Gewässern.
Unterschiedliche Arten von Kampfmitteln geborgen
Wie das Bundesministerium für Landesverteidigung in einer Aussendung bekanngab, zählten zu den sichergestellten Funden unter anderem:
- 172 Streubomben
- 4 Anti-Personen-Minen
- 13 Bombenblindgänger mit einem Gewicht von jeweils über 50 Kilogramm
Solche Funde erfordern spezialisierte Verfahren zur Identifizierung, Sicherung und Vernichtung.
Einsätze zu Land, im Gebirge und unter Wasser
Der Entminungsdienst war 2025 in allen Bundesländern tätig. Neben Einsätzen im urbanen und ländlichen Raum erfolgten auch Bergungen:
- durch Taucher in österreichischen Seen und Flüssen
- im hochalpinen Gelände entlang der Staatsgrenze zu Italien
Die größten Mengen an geborgenem Material wurden in Niederösterreich, Wien, Kärnten und der Steiermark verzeichnet. Für die Einsätze legten die Teams im Berichtsjahr insgesamt knapp 299.000 Kilometer zurück.
Sichere Vernichtung und Entsorgung
Ein Großteil des Kriegsmaterials wurde auf speziell dafür vorgesehenen militärischen Anlagen kontrolliert gesprengt oder anderweitig fachgerecht entsorgt. In einzelnen Fällen war aus Sicherheitsgründen eine unmittelbare Sprengung am Fundort erforderlich.
Nach offiziellen Angaben verliefen sämtliche Maßnahmen ohne Personen- oder Sachschäden.
Richtiges Verhalten bei Fund von Kriegsmaterial
Auch wenn viele Funde zufällig erfolgen, kann umsichtiges Verhalten entscheidend sein, um Unfälle zu verhindern. Kampfmittel können selbst nach Jahrzehnten noch voll funktionsfähig sein. Korrosion oder mechanische Einwirkungen machen sie nicht harmloser. Das Gegenteil ist der Fall: Sie können die Lage zusätzlich instabil machen.
Besonders gefährdet sind:
- Personen bei Bau- und Erdarbeiten
- Landwirtinnen und Landwirte bei Feldarbeiten
- Forstarbeiter:innen
- Taucherinnen und Taucher
- Kinder, die vermeintlich „interessante Metallgegenstände“ entdecken
Grundregeln bei verdächtigen Funden
- Objekt nicht berühren, bewegen oder freilegen.
- Sicherheitsabstand einhalten.
- Andere Personen fernhalten.
- Umgehend die Polizei (Notruf 133 in Österreich) verständigen.
Fotos oder das Weiterleiten über soziale Medien ersetzen keine professionelle Gefahreneinschätzung. Auch scheinbar kleine Metallteile können Zünder oder Sprengladungen enthalten.
Aufklärung, sichtbare Kennzeichnung von Gefahrenstellen und klare Verhaltensregeln sind zentrale Elemente der Unfallprävention. Sie tragen wesentlich dazu bei, dass historische Kriegsrelikte nicht zu aktuellen Tragödien führen.
Gemeinsam gegen Landminen setzt sich in aktuell stark von Landminen und anderen explosiven Sprengfallen betroffenen Ländern wie der Ukraine, Burma oder dem Irak dafür ein, derartige Präventionsmaßnahmen zu fördern und finanziert diese seit mehr als 20 Jahren in vielen Ländern. Wenn Sie unsere Arbeit zur Unfallprävention unterstützen wollen, so helfen Sie bitte mit einer Spende.
