Projektland Tadschikistan
Projektpartner: FSDPläne für ein Leben, das weitergeht
Shamsikhon möchte nähen. Khusrav ein Geschäft eröffnen. Zebuniso eine Bäckerei aufbauen. Alle drei haben die Explosion einer Mine, einer Streumunition oder eines Blindgängers überlebt. Heute haben sie konkrete Pläne und brauchen Unterstützung für den nächsten Schritt.
Im Rasht-Tal in Tadschikistan helfen wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation FSD Menschen dabei, eigenes Geld zu verdienen und ihre Familien zu versorgen.
Das Können ist da. Die Nähmaschine fehlt.
Shamsikhon weiß, wie man traditionelle Kleider näht und ändert. Sie möchte Aufträge annehmen und von zu Hause aus arbeiten. Was ihr dafür fehlt, ist eine eigene Nähmaschine.
Bei einer Minenexplosion verlor sie ihre Schwester und ihr ungeborenes Kind. Sie selbst wurde an beiden Beinen schwer verletzt. Schmerzen begleiten sie bis heute.
Mit einer Nähmaschine könnte Shamsikhon das tun, was sie gut kann – und damit Geld verdienen. Sie könnte zum Familieneinkommen beitragen und wäre weniger auf finanzielle Hilfe angewiesen. Wir unterstützen sie auf diesem Weg.
Was kommt nach dem Überleben?
Für Menschen, die die Explosion einer Mine oder anderer Kriegsreste überlebt haben, bleibt der Alltag oft mühsam. Besonders im abgelegenen Rasht-Tal: Arbeitsplätze sind in der kargen Bergregion rar, viele Familien leben von der Landwirtschaft. Wer körperlich schwere Arbeit nicht leisten kann, hat wenige Alternativen. Medizinische Versorgung ist häufig nur über weite, schwer passierbare Wege erreichbar.
Doch die Menschen haben Fähigkeiten, Erfahrungen und eigene Vorstellungen davon, wie es weitergehen soll. Genau dort setzen wir an. Gemeinsam mit FSD helfen wir ihnen mit unserem Projekt „Chancen geben“, aus ihren Ideen konkrete Vorhaben zu machen und die nötigen Arbeitsmittel für den Start zu beschaffen.
Ein Laden für Khusrav. Eine Bäckerei für Zebuniso.
Khusrav: Ein Geschäft für die Familie
Khusrav möchte ein kleines Lebensmittelgeschäft eröffnen. Durch eine Streumunitionsexplosion verlor er sein Augenlicht. Heute lebt er mit seiner Frau, seinen fünf Kindern und seiner Mutter. Die Pension reicht für die Familie nicht aus. Im eigenen Geschäft könnten seine älteren Kinder mithelfen.
Zebuniso: Arbeit schafften
Zebuniso hat bereits einen möglichen Standort für ihre Bäckerei gefunden. Sie lebt mit den Folgen einer schweren Beinverletzung. Mit der Bäckerei möchte sie sich ein verlässliches Einkommen aufbauen. Und sie denkt weiter: Auch andere Frauen aus dem Ort sollen dort Arbeit finden.
Den nächsten Schritt möglich machen
Kleidung für Kundinnen nähen. Im eigenen Laden Lebensmittel verkaufen. Eine Bäckerei führen, in der auch andere Frauen Arbeit finden. Ihre Spende hilft, solche Pläne umzusetzen und gibt Menschen die Möglichkeit, ihren Alltag wieder stärker selbst zu gestalten.
Das Projekt „Chancen geben“ auf einen Blick
Rasht-Tal
Tadschikistan
7 Menschen
zu selbstbestimmstem
Leben führen
FSD
Projektpartner
Was wir konkret unterstützen
01
Geschäftsidee ausarbeiten
In einer ersten gemeinsamen Schulung haben die Teilnehmenden bereits Pläne für ihre Vorhaben entwickelt.
02
Den Start ermöglichen
Je nach Vorhaben werden beispielsweise Nähmaschinen, andere Arbeitsmittel oder Tiere für eine kleine Viehzucht finanziert.
03
Vorhandene Fähigkeiten nutzen
Unterstützt werden Tätigkeiten, die die Menschen vor Ort ausüben und mit ihrem Alltag vereinbaren können.
Mehr als ein beruflicher Neustart: unsere Hilfe in Tadschikistan
„Chancen geben“ ist Teil unserer Zusammenarbeit mit FSD in Tadschikistan. Gemeinsam unterstützen wir Menschen und Gemeinschaften, deren Alltag durch Minen und explosive Kriegsreste beeinträchtigt wird. Dabei geht es um mehrere grundlegende Fragen: Wie können betroffene Familien ihren Lebensunterhalt sichern? Haben sie ausreichend zu essen? Wie können wir weitere Minenunfälle verhindern? Und erhalten Menschen mit Verletzungen die medizinische Versorgung, die sie brauchen?
Unsere Hilfe setzt deshalb an mehreren Stellen an. Neben neuen Einkommensmöglichkeiten gehören auch die Verbesserung der Ernährungssituation und der medizinischen Versorgung vor Ort sowie Aufklärung über Minengefahren zu den Aufgaben unserer Zusammenarbeit. Minenopfer sollen außerdem direkte Unterstützung erhalten, die auf ihren persönlichen Bedarf abgestimmt ist.
Ein Minenunfall hinterlässt oft auch seelische Spuren. Wer nicht mehr wie früher für seine Familie sorgen kann, fühlt sich mitunter nutzlos oder als Belastung. Mit ‚Chancen geben‘ unterstützen wir Betroffene dabei, ihre eigenen Vorhaben umzusetzen. Das kann ihr Selbstvertrauen stärken und neue Zuversicht geben.
Gemeinsam mit FSD wollen wir so die Lebensgrundlagen betroffener Menschen, ihrer Familien und ganzer Dorfgemeinschaften verbessern. Wir stärken die Versorgung vor Ort und eröffnen Menschen neue Möglichkeiten, ihre Fähigkeiten zu nutzen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Das Rasht-Tal: Leben mit den Folgen von Minen und explosiven Kriegsresten
Steile Berghänge, lange Winter und schwierige Verkehrswege prägen das Rasht-Tal in Tadschikistan. Viele Familien leben von kleinbäuerlicher Landwirtschaft oder von Geldüberweisungen ihrer Angehörigen, die im Ausland arbeiten. Was sie auf ihren Feldern anbauen und mit ihren Tieren erwirtschaften, bildet eine wichtige Grundlage ihrer Versorgung.
Der Bürgerkrieg der 1990er-Jahre und heftige Grenzkonflikte haben in der Region Spuren hinterlassen, die bis heute nachwirken. Zurückgebliebene Minen und explosive Kriegsreste gefährden Menschen noch Jahrzehnte später. Für Überlebende und ihre Familien ist diese Vergangenheit auch im Alltag gegenwärtig: durch bleibende Verletzungen, den Verlust nahestehender Menschen und die langfristigen Folgen für das Zusammenleben.


