IEDs: Die unsichtbare Gefahr im Alltag

IEDs: Die unsichtbare Gefahr im Alltag

Improvisierte Sprengvorrichtungen, sogenannte IEDs (Improvised Explosive Devices), gehören zu den heimtückischsten Hinterlassenschaften bewaffneter Konflikte. Genau das macht sie so gefährlich: Sie sind auf den ersten Blick kaum zu erkennen.

 

IEDs werden häufig in Alltagsgegenständen versteckt, am Wegesrand platziert oder in verlassenen Gebäuden zurückgelassen. Für Menschen in betroffenen Regionen bedeutet das, dass selbst alltägliche Handlungen lebensgefährlich sein können. Ein Spaziergang, der Weg zum Brunnen oder das Aufheben eines vermeintlich harmlosen Objekts kann tödlich enden.

 

Leben mit permanenter Unsicherheit

Viele Betroffene berichten, dass ihr Alltag von ständiger Anspannung geprägt ist. Immer wieder stellen sich dieselben Fragen:

  • Kann ich diesen Weg benutzen?
  • Ist das leerstehende Haus wirklich sicher?
  • Darf mein Kind hier spielen?

Diese Unsicherheit bleibt oft bestehen, selbst wenn ein Konflikt offiziell beendet ist. IEDs hinterlassen nicht nur physische Zerstörung, sondern auch eine Atmosphäre der Angst, die ganze Gemeinschaften lähmt und den Wiederaufbau erschwert.

 

Wissen als Schutzfaktor

Unsere Arbeit setzt genau an diesem Punkt an. Durch Minen-Risikoaufklärung unterstützen wir Menschen dabei, gefährliche Situationen besser einzuschätzen und richtig zu reagieren. Aufklärung vermittelt konkrete Verhaltensregeln, stärkt das Bewusstsein für Risiken und hilft, unnötige Gefahren zu vermeiden.

Ein einziger Moment der Vorsicht, das richtige Verhalten im entscheidenden Augenblick, kann Leben retten.

 

Sicherheit beginnt mit Information

IEDs sind eine unsichtbare Bedrohung – doch sie sind nicht unbesiegbar. Mit gezielter Aufklärung, klaren Warnhinweisen und langfristiger Räumung können betroffene Regionen Schritt für Schritt sicherer werden.

Unsere Projekte tragen dazu bei, dass Menschen wieder Vertrauen in ihre Umgebung fassen und ihren Alltag ohne ständige Angst gestalten können.

 

2025: Wir sagen Danke

2025: Wir sagen Danke

Zum Ende des Jahres blicken wir nicht nur auf Zahlen und Projekte zurück, sondern auf Menschen, Orte und Veränderungen. 2025 war ein Jahr voller Herausforderungen. Aber es war auch ein Jahr, in dem durch gemeinsames Engagement Sicherheit, Wissen und Hoffnung geschaffen werden konnten.

 

Dieser Rückblick ist vor allem eines: ein herzliches Danke an alle, die unsere Arbeit möglich gemacht haben.

 

Ukraine: Schutz durch Wissen und Unterstützung bei der Räumung

In der Ukraine lag unser Schwerpunkt auf der Minenrisiko-Aufklärung für Kinder und Jugendliche. In Schulen und Kindergärten in den Oblasten Charkiw und Krywyj Rih konnten hunderte junge Menschen erreicht werden. Sie lernten, Gefahren zu erkennen und sich richtig zu verhalten – Wissen, das im Alltag Leben schützt.

Parallel dazu unterstützten wir die Minenräumungsprojekte unseres Partners FSD durch Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Dazu zählten auch Maßnahmen rund um den Einsatz von Minensuchhunden. Aufklärung und Räumung greifen hier ineinander: Erst gemeinsam schaffen sie echte Sicherheit.

 

Tadschikistan: Sicherheit, Ernährung und medizinische Versorgung

In Tadschikistan arbeiteten wir gemeinsam mit FSD in der Region Sughd, einer Gegend, die noch immer stark von Landminen und UXO betroffen ist. Ziel war es, die Verwundbarkeit der betroffenen Gemeinden zu verringern.

Durch Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungssicherheit und der medizinischen Versorgung konnten Lebensbedingungen stabilisiert werden. Sicherheit bedeutet hier nicht nur Minenfreiheit, sondern auch Zugang zu Nahrung, Wasser und Gesundheitsdiensten.

 

Burma/Myanmar: Aufklärung unter schwierigsten Bedingungen

Die Arbeit in Burma/Myanmar war 2025 von besonders herausfordernden Rahmenbedingungen geprägt. Dennoch gelang es unseren Teams, knapp 500 Menschen in abgelegenen Dörfern und Camps von Vertriebenen über Minengefahren zu informieren.

Insgesamt wurden rund 70 größere Informationsveranstaltungen durchgeführt. Zusätzlich nahmen 13 Personen an einem Train-the-Trainer-Programm teil. Sie geben das Wissen nun langfristig in ihren Gemeinden weiter – vor allem an Kinder. Diese lokale Verankerung ist entscheidend, um Schutz nachhaltig zu verankern.

 

Bosnien und Herzegowina: Vorbereitung für gezielte Opferhilfe

In Bosnien und Herzegowina wurde 2025 ein Projekt entwickelt, das Minenopfern gezielt und bedarfsgerecht helfen soll. Aufgrund organisatorischer Rahmenbedingungen verzögerte sich die Umsetzung, der Start ist für das Frühjahr vorgesehen.

Auch vorbereitende Arbeit ist Teil nachhaltiger Hilfe: Sie stellt sicher, dass Unterstützung dort ankommt, wo sie wirklich gebraucht wird.

 

Gemeinsam möglich gemacht

All diese Projekte haben eines gemeinsam: Sie wären ohne die Unterstützung unserer Spender:innen, Partner:innen und Unterstützer:innen nicht möglich gewesen.

Ihre Beiträge haben dazu beigetragen,

  • Kinder vor lebensgefährlichen Risiken zu schützen,
  • Gemeinschaften wieder handlungsfähig zu machen und
  • Perspektiven für eine sichere Zukunft zu eröffnen.

 

🕊️ Danke, dass Sie diesen Weg mit uns gehen.

Auch im kommenden Jahr setzen wir uns weiter für eine Welt ein, in der Menschen ohne Angst vor Landminen leben können. Danke für Ihre Unterstützung, 2025 und in der Zukunft.

 

Ein Rückschritt mit fatalen Folgen

Ein Rückschritt mit fatalen Folgen

27. Dezember: Der Schutz von Zivilist:innen wird ausgehöhlt

Am 27. Dezember wird eine Entwicklung Realität, die viele Jahre als undenkbar galt: Mit Estland, Lettland und Litauen treten erstmals mehrere europäische Staaten aus dem Übereinkommen zum Verbot von Antipersonenminen aus. Wenige Wochen später folgen Finnland und Polen.

Was auf den ersten Blick wie eine sicherheitspolitische Entscheidung erscheint, ist in Wahrheit ein schwerer Rückschritt für den humanitären Schutz von Zivilist:innen – in Europa und weltweit.

 

Ein Vertrag, der Leben gerettet hat

Das Übereinkommen über das Verbot von Landminen, das 1997 verabschiedet wurde und 1999 in Kraft trat, gilt als eine der größten humanitären Errungenschaften der internationalen Gemeinschaft.

Es verbietet Einsatz, Herstellung, Lagerung und Weitergabe von Antipersonenminen und verpflichtet Staaten zur Räumung verseuchter Gebiete sowie zur Unterstützung von Minenopfern.

Bis vor Kurzem war dieses Verbot in 165 Ländern gültig – darunter allen EU-Mitgliedstaaten. Seit Inkrafttreten des Vertrags wurden Millionen Minen zerstört und ganze Regionen sicherer gemacht.

 

Warum Landminen keine „defensive“ Waffe sind

Landminen können nicht unterscheiden, wer sie auslöst.

Sie treffen keine militärischen Ziele, sie treffen Menschen: Kinder auf dem Schulweg, Bäuerinnen auf dem Feld, Familien in ihren Dörfern.

Sie bleiben jahrzehntelang aktiv, vergraben unter Ackerland, Straßen oder in der Nähe von Häusern. Selbst lange nach dem Ende von Konflikten fordern sie Opfer.

Jedes Jahr werden mehr als 5.000 Menschen durch Landminen und explosive Kriegsreste getötet oder verletzt. 85 Prozent der Betroffenen sind Zivilist:innen, mehr als ein Drittel Kinder.

 

Warum der Austritt gefährlich ist – weit über Europa hinaus

 Der Austritt der baltischen Staaten, Finnlands und Polens sendet ein fatales Signal: Wenn Staaten ohne Konsequenzen aus dem Vertrag aussteigen, gerät das gesamte Verbot ins Wanken.

Die Gefahr ist real, dass weitere Länder folgen – nicht nur in Europa.

Damit würden 25 Jahre Fortschritt im Schutz der Zivilbevölkerung aufs Spiel gesetzt. Mehr Einsatz von Minen bedeutet zwangsläufig mehr Opfer, höhere Räumungskosten und jahrzehntelanges Leid für kommende Generationen.

Landminen sind keine kurzfristige Maßnahme. Ihre Folgen reichen weit über jede politische Entscheidung hinaus.

 

Die Position von Gemeinsam gegen Landminen

Für Gemeinsam gegen Landminen ist klar: Der Einsatz von Antipersonenminen ist niemals zu rechtfertigen – weder sicherheitspolitisch noch moralisch.

Das Minenverbot muss verteidigt, gestärkt und weltweit eingehalten werden. Gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen braucht es klare humanitäre Leitplanken, die den Schutz von Menschen über militärische Logiken stellen.

Der 27. Dezember markiert daher keinen normalen Stichtag, sondern einen Wendepunkt. Einen Moment, an dem entschieden wird, ob wir aus der Geschichte lernen – oder sie wiederholen.

 

Warum jetzt Haltung zählt

Noch ist Zeit, Schaden zu begrenzen: Staaten können ihre Entscheidung überdenken. Die internationale Gemeinschaft kann klar Stellung beziehen. Zivilgesellschaftliche Organisationen können Druck aufbauen und informieren.

Blindgänger, die Zeitbomben von gestern

Blindgänger, die Zeitbomben von gestern

Blindgänger sind Zeitbomben von gestern, die heute noch töten können.

 

Kriege enden, ihre Waffen oft nicht.

Blindgänger, international als Unexploded Ordnance (UXO) bezeichnet, gehören zu den gefährlichsten Hinterlassenschaften bewaffneter Konflikte. Es handelt sich um Sprengkörper, die abgeworfen oder abgefeuert wurden, aber nicht detoniert sind. Was zunächst nach einem technischen Defekt klingt, ist in Wahrheit eine lebensbedrohliche Gefahr und das oft über Jahrzehnte hinweg.

 

Unsichtbar, vergessen – und trotzdem tödlich

Blindgänger liegen häufig unentdeckt im Boden: auf Feldern, an Wegen, in Gärten oder nahe von Häusern. Manche sind rostig und unscheinbar, andere schimmern metallisch oder haben Formen, die an Spielzeug oder harmlose Alltagsgegenstände erinnern. Genau das macht sie so gefährlich.

Besonders Kinder sind betroffen. Aus Neugier heben sie scheinbar harmlose Objekte auf. Sie wissen nicht, dass schon eine kleine Bewegung eine Explosion auslösen kann. Die Folgen sind oft verheerend: schwere Verletzungen, Amputationen, lebenslange Traumata oder der Tod.

 

Gefahr lange nach dem Krieg

Blindgänger töten nicht während eines Krieges, sondern oft lange danach. In vielen Ländern behindern sie den Wiederaufbau, machen Landwirtschaft unmöglich und zwingen ganze Gemeinschaften dazu, in ständiger Angst zu leben. Jeder Schritt kann zur Gefahr werden, jeder Fund zum Albtraum.

Die Zahl der Opfer zeigt deutlich: Die Bedrohung durch explosive Kriegsreste ist kein Problem der Vergangenheit. Sie ist eine akute humanitäre Herausforderung.

 

Wissen schützt Leben

Deshalb sind Minenrisiko-Aufklärung, klare Markierungen und professionelle Räumung so entscheidend. Aufklärung hilft Menschen, Gefahren zu erkennen und richtig zu reagieren. Warnschilder machen unsichtbare Risiken sichtbar. Und erst durch fachgerechte Räumung können Flächen wirklich sicher genutzt werden.

Nur wenn Blindgänger dauerhaft beseitigt werden, können Kinder wieder unbeschwert spielen, Familien ihre Felder bestellen und Gemeinschaften ohne Angst in die Zukunft blicken. GGL setzt sich genau dafür ein und finanziert Projekte, die eine sichere Zukunft ermöglichen und Minenopfern neue Lebensperspektiven eröffnen. Helfen Sie mit. Jeder Beitrag zählt.

 

Landmine Monitor 2025

Landmine Monitor 2025

Warum Landminen wieder stärker in den Fokus rücken müssen

Mit der Veröffentlichung des Landmine Monitor 2025 legt die Internationale Kampagne zum Verbot von Landminen (ICBL) erneut eine ernüchternde Bestandsaufnahme vor. Der Bericht zeigt deutlich: Während die internationale Aufmerksamkeit nachlässt und finanzielle Unterstützung zurückgeht, steigt das Leid der Zivilbevölkerung durch Landminen und explosive Kriegsreste weiter an.

 

Steigende Opferzahlen – Zivilist:innen besonders betroffen

Laut dem aktuellen Bericht wurden im Jahr 2024 weltweit 6.279 Menschen durch Landminen oder explosive Kriegsreste getötet oder verletzt – der höchste Wert seit 2020.

Besonders alarmierend: 90 Prozent der Opfer waren Zivilist:innen, fast die Hälfte davon Kinder.

Die höchsten Opferzahlen wurden erneut in Myanmar verzeichnet, gefolgt von Ländern wie Syrien, wo Menschen nach dem Ende von Gewalt in ihre Heimat zurückkehren und dabei auf kontaminierte Flächen treffen. Landminen treffen nicht Soldat:innen – sie treffen Menschen in ihrem Alltag.

 

Weniger Mittel, mehr Bedarf

Gleichzeitig dokumentiert der Landmine Monitor einen besorgniserregenden Rückgang internationaler Unterstützung. Die weltweit geräumte Fläche nahm 2024 ab, vor allem aufgrund fehlender finanzieller Mittel und wachsender Unsicherheit in betroffenen Regionen.

Besonders kritisch ist der Rückgang der Mittel für Minenopferhilfe. Nur rund 5 Prozent der globalen Gelder für Minenaktionen fließen in medizinische Versorgung, Rehabilitation und psychosoziale Unterstützung – und selbst dieser Anteil ist zuletzt deutlich gesunken. Viele Überlebende bleiben ohne angemessene Hilfe.

 

Ein Vertrag unter Druck

Der Bericht macht auch deutlich, dass das internationale Minenverbot zunehmend unter politischem Druck steht. Mehrere Staaten haben zuletzt Schritte gesetzt, die den Geist und die Normen des Übereinkommens infrage stellen. Gleichzeitig gibt es weiterhin dokumentierten Einsatz und Produktion von Antipersonenminen durch Staaten außerhalb des Vertrags.

Diese Entwicklungen sind gefährlich. Denn sie untergraben ein Abkommen, das seit 1999 Millionen Leben geschützt, ganze Regionen sicherer gemacht und internationale Standards gesetzt hat.

 

Fortschritte, die nicht vergessen werden dürfen

Trotz aller Herausforderungen zeigt der Landmine Monitor auch, dass das Verbot wirkt. 31 Staaten haben ihre Territorien vollständig von Antipersonenminen geräumt. Mit dem Beitritt der Marshallinseln und Tongas sind mittlerweile 166 Staaten an das Übereinkommen gebunden – das entspricht rund 85 Prozent aller Länder weltweit.

Diese Erfolge zeigen: Das Minenverbot ist kein Symbol, sondern ein wirksames Instrument. Es braucht politischen Willen, langfristige Finanzierung und konsequente Umsetzung.

 

Warum der Landmine Monitor wichtig ist

Der Landmine Monitor ist mehr als ein Bericht. Er ist ein Frühwarnsystem, eine Datengrundlage und ein moralischer Kompass zugleich. Er macht sichtbar, wo Fortschritte erzielt werden – und wo Rückschritte drohen.

Für Gemeinsam gegen Landminen ist klar: Solange Landminen und explosive Kriegsreste Menschen gefährden, dürfen wir nicht nachlassen. Aufklärung, Räumung, Opferhilfe und politische Arbeit bleiben unverzichtbar.

Der Landmine Monitor 2025 erinnert uns daran, dass humanitäre Errungenschaften nicht selbstverständlich sind – und dass ihr Schutz aktives Engagement erfordert.